das knusperhäuschen

„Mach mal deinen popo frei, dickerchen.“ dickerchen grinst breit und gluckst, zieht die hosen runter und lässt sich von rapunzel mit ihrer haarpeitsche den allerwertesten versohlen. Der kunde hat auch aschenputtel für den abend gemietet, die auf dem bänkchen am fenster sitzt, sich an ihren nippeln rumspielt und den beiden zuschaut. Weiter vorne, auf der anderen seite einer der spanischen wände, die den hauptraum des bordells zum knusperhäuschen in intimbereiche aufteilen, tanzt eine junge frau, gerade mal achtzehn, auf einem tisch im negliché, ansonsten nackt, schwingt die hüften und hält die enden ihres kleidchens so, dass die gäste, die um den tisch herum sitzen sterntaler hineinwerfen können. Je mehr davon, desto höher zieht sie den stoff und desto mehr wird von ihrer rasierten muschi sichtbar, was die herren zum schwitzen bringt. In einem anderen separée liegt dornröschen zwischen roten rosen und tut so, als ob sie schläft, während sie darauf wartet, dass der kunde, der für sein erstes mal hier her gekommen ist und sich als prinz verkleidet hat den mut aufbringt sie zu küssen. Ein abteil weiter hat sich schneewittchen für den besuch von sieben kleinwüchsigen typen vorbereitet und die puffmutter, frau holle schüttelt kräftig kissen auf, um ihr zu klein geratenes bett mit federn zu überhäufen. Irgendwoanders stöhnt die prinzessin auf der erbse zum vergnügen ihres freiers mit der leicht sadistischen ader, rotkäppchen schreit beim hardcoresex mit dem mann, der sich für den bösen wolf hält und ganz hinten, am ausgang befriedigt das mädchen mit den schwefelhölzern einen nekrophilen. Für die ganz harten kerle steckt die böse hexe auch schon mal den kopf in den glühenden ofen, während sie sie einer nach dem andern von hinten ran nehmen. All die großen und kleinen helden, prinzen, könige und tapferen schneiderlein sind sich darin einig: der weg in den finstern wald lohnt sich jedes mal aufs neue, denn dem sexuellen einfallsreichtum sind hier, soweit draußen im märchenland, wirklich gar keine grenzen gesetzt.

(c) venom&claw

Veröffentlicht von

Tobias Reckermann

Schriftsteller Mitarbeiter bei Whitetrain

Ein Gedanke zu „das knusperhäuschen“

  1. hi,

    jetzt wird mir klar, warum die mütter immer so phobisch mit dem thema wald umgehen; „kind, geh ja nicht in den wald, schon gar nicht, wenn es dunkel wird!“ entspricht dann wohl den erinnerungen dieser mütter an erfahrungen ihrer eigenen jugend, die sie ihren kindern/töchtern nicht gönnen oder die sie selbst noch nicht mit ihren tradierten maralvorstellungen in ein-klang gebracht haben.

    ähm, wie komme ich jetzt am schnellsten in den wald?

    gruß
    counsellor

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