Hellfire activists

schallendes gelächter erhob sich über die ebene der toten. Schädel rollten in kleinen kaskaden von den haufen herab, zu denen die skelette der zahllosen aufgetürmt waren und wurden von schweren stiefeln zu bruchstücken zertreten, aus denen kundige den hergang der schlacht, des gemetzels hätten lesen können. Das gelächter verstummte, waberte nur für eine kurze weile noch als echo zwischen den hängen zu seiten des felds hin und her. Die gruppe von zwanzig, in feuerroten röcken fand sich im zentrum des knochenmeeres zusammen, wo einer von ihnen eine langstielige fackel aufgepflanzt hatte, deren flackernder schein unruhige schatten in den kreis warf. Unter rußschwarzem himmel, von dem vereinzelt zornige sterne herabstierten. Die männer und frauen bildeten einen kreis um den einen in ihrer mitte, entschlossen grimmige gesichter ihm zugewandt und seine worte hallten weit:
„gefunden! und in besitz genommen, im namen unserer herren! der dies blutbad gebar wird uns gehorchen! Sammelt knochen, so viele ihr tragen könnt. Packt sie in säcke, schnürt sie fest zu. Noch ehe der kalte stern über dem horizont aufgeht werden wir fort sein mit dem preis in unseren händen.“ die versammelten kamen diesen worten ohne zögern nach und fingen an, gebeine aufzulesen. Und noch ehe der kalte stern sich zeigte, waren sie wieder fort und war die ebene wieder still und verlassen.

„Und was ist dann geschehen?“
„Dann? Dann brach die hölle los.“


I

crowfeather wolf hatte alles mitangesehen und war den kultisten unbemerkt gefolgt. Sie verließen die welt auf einem alten, fast vergessenen pfad der durch die finsternis selbst führte. Ihm war dieser weg noch bekannt, von den überlieferungen seiner sippe her und er konnte dem bissigen geruch den sie verströmten leicht nachspüren. Auf einem berg stand ein verwitterter steinerner turm, hierhin trugen sie ihre säcke voll gebein und von hier schwärmten sie aus, nachdem für einige stunden nur ein mahlendes geräusch nach außen gedrungen war, jeder mit einem kleineren beutel voll von dem was sie den toten genommen und in feinen staub verwandelt hatten. Er hielt sich an den einen, dessen witterung ihn zuvor auf die spur des kultes geführt hatte und betrat so nach einiger zeit eine nächtlich stadt aus grauem fels, die bei einer stürmischen küste im halbschlaf lag. Lichter in den fenstern zeugten von der schlaflosigkeit mancher bewohner, die vielleicht von dem unterschwelligen gefühl einer bedrohung herrühren mochte. Zu dieser späten stunde weit nach mitternacht lagen die meisten der häuser aber im dunkel und ein friedlicher ort wie dieser hatte um diese zeit keine verwendung für das gaslicht der straßenlaternen. Es mochte einen nachtwächter geben, der irgendwo in den gepflasterten gassen auf leisen sohlen seine runden drehte. Die wellen, die die hafenmauern anrollten und der wind, der seewärts über die den horizont verdeckenden hügel wehte gaben die einzigen geräusche für die von sternen beleuchtete szene. Eine brigantine lag still im hafenbecken, an bord leuchtete eine laterne und es musste hier wenigstens einen wächter geben. Crowfeather wolf, der aus seinem tiefen schatten heraustrat spitzte die langen ohren und fand zwischen dem rauschen von wind und wasser die gedämpften stimmen von seeleuten, die nahebei noch in dem keller einer taverne tranken und dazu ein trauriges shanty, das von einer harmonika begleitet wurde. Die witterung, die ihn hier her geführt hatte lag wie ein roter faden vor ihm und wies den weg durch die gassen. Feines pulver markierte die spur, lag wie verstreutes saatgut auf dem pflaster, auf türschwellen und floss mit den überresten des letzten regens durch die rinnsteine. Er würde zu spät kommen, wenn er sich jetzt nicht beeilte, also schenkte er dem augensinn weniger beachtung und ließ sich ganz von der witterung leiten, die ihn weiter vom hafen fort und tiefer in die stadt hinein führte. Die vorsicht leitete ihn von schatten zu schatten. So unwahrscheinlich es war, dass ihn jemand entdecken, sich ihm jemand in den weg stellen würde, wollte er doch keinen unvorsichtigen bewohner der stadt gefährden. Sie mochten eine schuld auf sich geladen, vielleicht etwas wirklich unverzeihliches getan haben, aber deswegen war er nicht hier. Seine ohren fingen einen an und abschwellenden ton auf, eine stimme, die zu einer inkantation anhob und er ging auf alle viere um schneller voran zu kommen.

der mann im feuerroten rock stand hoch aufgerichtet und mit erhobenen armen auf dem platz vor der magistratur und seine stimme schwoll zu ihrer vollen stärke an. bürger, die davon aus dem schlaf gerissen erzürnt aus ihren fenstern schauten sahen ihn dort in einem kreis aus blauen flammen stehen, aus denen heraus bosartige augen zu ihnen hinauf schauten. Der nachtwächter, der mit seiner laterne schwenkend auf den platz getreten war hielt wie angewurzelt inne und ergraute unter seiner kapuze mit einem wimpernschlag. Die flammen tanzten und loderten höher, bildeten einen kranz kalt brennender zungen um den mann, dessen arme, wie auch seine stimme immer weiter sich erhoben. Die worte, fremd und bedrohlich, ließen die läden der fenster und die türen erzittern und die flammen mit den dämonischen zügen sprangen auf, zerteilten sich und ihre blitzende brut griff an vielen stellen auf das pflaster über und züngelte unheilvoll zischend in richtung der abgehenden straßen und gassen, sich wege wie auf unsichtbaren spuren von nahrung suchend. Der mann im roten rock ballte die hoch in die luft gestreckten hände zu fäusten und sein gesang schlug um in einen unmenschlich gellenden schrei. Mit einem mal war ein schatten über ihm, aus dem sich eine bestie schälte mit handlangen fängen und schwarzem federkleid. Sie grub ihre klauen in das fleisch unter dem roten rock, verbiss sich in die kehle, riss sie mit einem fletschen heraus und verspritze sein blut auf den steinernen boden. Der mann ging in die knie, seine glieder zuckten, dann kippte er unter dem biest vornüber zu boden, tot.

Crowfeather wolf riss dem kultisten den kopf von den schultern. Aus der in das entsetzen erwachenden stadt erhoben sich panische und schmerzerfüllte schreie. Er war nur sekunden zu spät gekommen. Das unheil griff um sich, die flammen würden sich der spur aus knochenmehl entlang durch die ganze stadt fressen und seelen verschlingen, bis niemand mehr übrig wäre um das böse zu bezeugen, dass die bürger heimgesucht hatte. Er riss den kopf an den haaren gepackt empor und stieß ein heulen aus, dass wie eine sirene durch den wachsenden schrecken erscholl. Die andere klaue in den nachthimmel gestreckt, griff er nach der finsternis zwischen den sternen und zog sie herbei. Ein faden der schwärze schlängelte sich vom firmament abwärts und verwob sich vor ihm zu einer säule aus dunkelheit, die sich langsam, unaufhörlich drehte. Der anschwellende sog schluckte die flammen um ihn her und zog und saugte an dem dämonischen feuer. unaufhaltsam und mit wachsender geschwindigkeit verfingen sich die gierigen teufel, die in den straßen und häusern wüteten in dem strudel das sie alle verzehrte. Die blauen flammen erloschen. Finsternis beherrschte den ort und mit einem Triumphschrei sprang crowfeather wolf in die säule aus nacht und verschwand.

II

In allen welten und auf allen ebenen gibt es solche, die sich dämonen dienstbar machen, die rachegeister beschwören und pakte mit teufeln schließen. Er selbst hatte manche gekannt, die aus trauer und zorn zu solchen mitteln gegriffen hatten und deren gründe waren ihm sogar gerecht erschienen. Es gab verbrechen, die vielleicht jedes mittel zur vergeltung rechtfertigen mochten. Und doch war immer auch eine unverzeihliche selbstgerechtigkeit daran beteiligt. Viele wahrheiten erzeugten unversöhnliche gegensätze. Aber in den meisten fällen handelte es sich um nichts weiter als blanken hunger nach macht und die viehische lust an der zerstörung und dem leid der opfer, die dem verursacher der pein einen ersatz für das gefühl der eigenen lebendigkeit geben mochten, dass er längst unwiederbringlich verloren hatte. Er ruhte sich aus in der dunkelheit. Er konnte sie aufspüren, einen nach dem anderen, auch wenn er an vielen orten zu spät sein würde. Sie würden nicht so einfach davon kommen.

Einige von ihnen ließen sich leicht aufspüren, andere schwer. Manche fand er rechtzeitig, andere nicht. Der eine und andere war ein tölpel und ließ sich leicht überwältigen, andere hingegen wurden zu einer echten herausforderung. Crowfeather wolf führte über die nächsten wochen einen wahren krieg gegen die legion von dämonen, die die kultisten herbei befahlen. Die finsternis, die ihm zu diensten war verzehrte sie im dutzend und hundertfach. Die opfer der höllenwesen waren allerdings weitaus zahlreicher und die schauplätze ihrer anschläge waren über die unterschiedlichsten orte auf weit auseinander gelegenen welten und ebenen verstreut. Wenn es ein muster in dem ganzen gab, dann war es das des reinsten chaos. Ein paar der männer und frauen die er jagte dienten mit ihren beschwörungen als söldner in kleineren kriegen, bei metzeleien an minderheiten und vendettas, die übrigen aber schienen ihre opfer aus bloßer willkür zu wählen. Es kam ihm vor wie die taten von brandstiftern, die viele kleine feuer legen um schrecken zu schüren und darauf abzielen, dass sich die brandherde mit der zeit zu einer großen feuersbrunst verbinden mochten. Hier war keine rachsucht am werk, sondern die lust am weltuntergang. Wahnsinn. In diesem bild war er der brandhüter, der versuchte, mit seinen stiefeln all die kleinen funken zu zertreten, bevor sie sich verbünden konnten. Das ärgerte ihn schwarz. Zwei waren ihm entkommen, nachdem sie ihr pulver verstreut und die hölle herauf beschworen hatten. Als er einem davon ein zweites mal auf die spur kam, der mit neuem pulver bewaffnet eine siedlung heimsuchen wollte, beschloss er, als nächstes den turm aufzusuchen, von dem alles seinen ausgang genommen hatte. Daran hätte er früher denken sollen. Wahrscheinlich war der oberste des kultes dort und wenn er ein kluger mann war und seine leute ihm alles berichtet hatten, würde er dort vielleicht sogar schon auf ihn warten.

Vorher aber musste er noch verhindern, was dieser hier beabsichtigte. Eine zu großen teilen ausgebrannte stadt. Soldaten zwischen den ruinen, die wache hielten. Ein lager in den überresten eines tempels. Der mann im feuerrock bewegte sich ungehindert durch die wachposten. Sie kannten ihn hier. Sein weg führte direkt zu dem zelt inmitten des lagers, wo ihn ein offizier empfing. Ein weiterer söldnerauftrag, dachte crowfeather wolf und schritt leise durch die schatten an den soldaten vorbei bis an die zeltwand, hinter der der kultist und der offizier als schattenfiguren deutlich zu sehen waren. Er war bereit, die plane in fetzen zu reißen und sich mit einem sprung auf den feuerrock zu stürzen. Als unvermittelt im innern des zeltes ein schleier entstand, aus dem die silhouette einer frau auftauchte, mit einem schwert in den händen, dass in schnellen, ein x zeichnenden hieben den soldaten zerteilte und sich noch bevor der kultist einen schrei ausstoßen, oder hilfe herbeibeschwören konnte durch dessen schädel bohrte. Nur Einen augenblick später wuchs der schatten, als die frau an die zeltwand trat und sie mit einem schwerthieb aufschlitzte. Crowfeather wolf war zu sehr überrascht um nicht einfach wie ein welpe da zu stehen und die frau mit weit aufgerissenen augen an zu starren. Eine wilde, entschlossene schönheit mit schwarzem, zurückgebundenen haar, ein gehrock aus echsenleder über langen stiefeln, alles mit runen und magischen zeichen beschriftet. Er sah auch in ihren augen die überraschung, wollte etwas sagen, witterte ihren geruch, war plötzlich davon überzeugt, dass sie für ihn keine gefahr darstellte, musste für einen moment die augen schließen und als er sie wieder öffnete war sie fort. Sie hatte ihn mit einem zauber belegt, den er mit einem kopfschütteln abwarf. ihre erscheinung war voller macht gewesen, voller rachsucht und kaltem zorn. Als auf der anderen seite des zeltes schritte zu hören waren, ließ er sich zurück in den schatten fallen und verließ den ort. sie war eine von ihnen gewesen, von denen, die höhere mächte herbei riefen um ihre rache zu bekommen und es hatte die richtigen getroffen, oder etwa nicht? Crowfeather wolf verließ die ebene, während seine gedanken sich weiter um den rachegeist drehten. Er wünschte ihr viel glück und das sie einst frei würde von dem dämon, der sie selbst heimsuchte

III

ein feuer prasselte in einem kamin, der von zwei statuen flankiert wurde, die aufgerichtete katzen darstellten und schwängerte den raum mit rauch. Kerzen in kandelabern, gehörnte tierköpfe ausgestopft an den wänden, teppiche mit obskuren mustern, mit büchern vollgestopfte regale, ein großer tisch aus dunklem holz voller schriftrollen, papier, tinte und okkulten werkzeugen. Ein riesiger spiegel auf einem gestell in einer der ecken. Ein mit rotem samt gepolsterter lehnstuhl und ein beistelltisch auf dem ein silbertablett mit einem kristallkelch voll dunklem wein und ein glas standen. Das feuer warf viele schatten, die sich unruhig bewegten. Der mann im lehnstuhl setzte sich auf, goss neuen wein in sein glas, trank und schaute angestrengt in die flammen. Dabei bewegten sich seine lippen, als ob er mit dem herrn des feuers spräche und das feuer schien ihm auf seine eigene weise zu antworten. der wind rüttelte an den fensterläden, als ob er einlass in das obere turmgeschoss verlangte um an diesem gespräch teil nehmen zu können. Aus einem schatten im rücken des mannes schälte sich die kräftige gestalt crowfeather wolfs, tierisch, menschlich, schwarz gefiedert. Seine gestreckten klauen die entblößten fänge und die wolfsaugen leuchteten im schein des feuers. Der mann vor ihm lachte laut und hämisch auf, seine hände schnellten mit gespreizten fingern nach oben und plötzlich war der raum voller flammen, die wie kanonenkugeln aus dem kamin hetzten und um crowfeather wolf herum wirbelten. Sie schnitten ihm den rückweg in die schatten ab und gingen ihn mit ihrer sengenden macht an. Schwarze federn kräuselten sich in der hitze und aus dem kamin starrte ihn eine flammende fratze mit weit aufgerissenem maul an. Crowfeather wolf schlug mit den armen um sich um die dämonen abzuschütteln und heulte, wie um den mond herbei zu zwingen. Der hohepriester des kultes stand vor ihm aus dem lehnstuhl auf und drehte sich ihm zu, die hände ihm entgegen gestreckt, wie um die flammen aufzuheizen. In seinen augen standen triumph und häme, die sich in furcht verwandelten, als crowfeather wolf brennend die letzten meter in einem satz auf ihn zu sprang. Der kultist ging mit abwehrend erhobenen armen in die knie, sich von der bestie abwendend und ergriff die flucht, als aus dem kamin heraus der feuerteufel stürmte, crowfeather wolf mit flammenden armen umschlingend und mit ihm über dem fliehenden herab kam, dessen roter rock sofort selbst feuer fing. Der hohepriester wand sich in den flammen auf den rücken, unter dem verglühenden haar und der verkohlenden haut in seinen augen das grauen. Crowfeather wolf rang mit dem teufel, rannte zum fenster und stürzte sich hinaus in die kühle der nacht.

Er wand sich tage und nächte lang vor schmerzen, suchte linderung im licht des mondes und fließendem wasser. Und all die zeit hörte er nicht auf zu lachen. Wer mit dem feuer spielt… Er würde sie sich alle holen.

(c) venom&claw

Veröffentlicht von

Tobias Reckermann

Schriftsteller Mitarbeiter bei Whitetrain