poetik

Brevitas: keine silbe zu viel aber auch keine zu wenig

Rhythmus: prosa wie lyrik immer entlang der bassline

Metaphor: tropen nicht nur herum stehen lassen sondern in bewegung setzen – das literarische kommt zum eigenen sein

Wendung: worte wenden – ausloten wozu die worte noch gut sein können

Performanz: in den text stürzen – ihn durch mich sprechen lassen

Obskuranz: es muss nicht alles verständlich sein – das verständliche soll aus sich selbst verstanden werden

(c)meta4

so tun als ob

„evokation, das heißt: etwas plastisch schildern, etwas beschwören, etwas herbeirufen, die Erweckung von Vorstellungen od. Erlebnissen bei der Betrachtung eines Kunstwerkes, eine aufforderung, ein herausrufen und ein wachrufen von
erinnerungen „

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woran erkennst du
dass sie maskiert sind?
sieh doch wie sie sich bewegen
sie haben sich noch nicht daran gewöhnt
wie hühner denen man einen kochtopf aufsetzt

(c) venom&claw

kleine terrorakte

Blinde flecken
Tote winkel
Schwarze löcher
Vor allem die
Können jederzeit
Einfach so
Und überall
Auftauchen
Aufsaugen
Und wieder
Verschwinden
Es kann quadratmeterweise regnen
Die scheiße an meinem schuh
Hat so ein hund auf die gasse gekackt

(c) venom&claw

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Ich meine
Es tut dir einfach nicht gut
Als junger mensch
Wenn du hörst
Dass nichts von dem
Was du tust neu ist
Das alles schon vorher da war
In irgendeiner form
Das alles geschichte hat
Und alles schon lange
Vor dir begann
Das da eine tradition ist
In der du nun stehst
Und natürlich
Wird die fackel
Und so weiter
Und du trittst in
Fußstapfen
Die leute hinterliessen
Die in der höhle lebten

(c) venom&claw

lethargie

Von der frühjahrsmüdigkeit
Über die sommermattigkeit
Durch die herbstdepression
In den winterschlaf

Lethargie hat eine eigene liturgie. Rituale sind wichtig. Hat auch die katholische kirche begriffen und schafft den richtigen boden mit weihrauch, der lethargisch macht. Eine allegorie der lethargie ist der dicke im salon, so faul, dass es kracht unter großem gewicht im sessel der knackt. Ich hab meinen geist in watte verpackt, mich bewegt nichts mehr, kein speed, kein mdma, keine geigen im film, kein schmalz und keine gewalt. Ist mir alles gleich. Ich denke nicht mehr, fühle nicht mehr, rühre mich nicht. Ich werde zu stein. So werde ich bis zum ende aller tage sein.

(c) venom&claw

dédié à C.baudelaire

der dichter sagt’s – schon lange her
und ich der tropf so lange suche sehr
nach worten die dies sagen
in meinen sinnlosen tagen
sollt ich lesen anstatt schreiben nur
um zu folgen meiner seele dunklen spur?
was licht aus andrer worten auf mein leben fällt
mich fortweg im verwundern hält

(c) venom&claw

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ich denke mir meinen teil
über tägliche tode
das jammern der welt
und himmelsbrände
meinen teil an nutzlosen
superkräften, wie die steine
belauschen zu können
wo die gar nichts von sich geben
subtile projektile
aus deinen augen
auf mein herz gerichtet
aggressionskerker
resonanzbarrieren
wellenbrecher
und sonnenhelden im schatten
die streifen des tigers
und gewogene worte
verhalten und verhaltenes sein
aller zweifel ist berechtigt
die zwietracht tobt
im zwielicht meiner seele
und gezeter wird laut

(c) venom&claw