VIR

„ihr name ist hua dee?“
„ja.“
„dann gehört das ihnen.“
dee blieb mit dem blick an dem gesicht des anderen hängen, bevor er hinab auf den gegenstand schaute, der ihm in die hände gelegt wurde. Die augen des mannes hatten etwas verblüffendes an sich. Der gegenstand: ein päckchen, in grauem papier, klein, leicht, ohne beschriftung.

der weiße raum

wir würden sie nur ungerne einfach so im weißen raum stehen lassen, so ohne charakteristika, darum hier ein paar zusätzliche beschreibungen von ort und zeit, farbe und form und allgemeiner stimmung, damit sie sich zuerst ein bild machen können, bevor die handlung wieder einsetzt.

Sie sehen sich in einem bahnhof von der sorte, wie sie die industrialisierung hervorgebracht hat – ob sie sich tatsächlich in einem bahnhof befinden und ob das gebäude wirklich so aussieht, dazu kommen wir später – viele menschen, in schneller bewegung, züge, bahnbeamte, alles was dazu gehört. Ansagen über lautsprecher, fahrpläne, gedecktes licht, das von einem regentag durch die hohen, metallverstrebten fenster hereinfällt, stände, an denen schnelles essen und getränke verkauft werden. Hua dee ist ein unauffälliger mitdreißiger asiatisch-europäischer herkunft in dunkelgrauem anzug, kurze haare, klein, schmächtig. Der andere ist ein jüngerer mann in weiten ausgewaschenen jeans, turnschuhen und einem schwarzen kapuzenpulli ohne aufdruck. Haare kurz rasiert, blond, hageres gesicht mit bartansatz, die augen etwas zu unbewegt, starr, silbergrau. Die zeit: es ist nachmittag, für hua dee irgendwo zwischen arbeitsende und abendessen in einem nudelshop.

Dee hätte nicht damit gerechnet, dass es hier geschehen würde, mitten in der öffentlichkeit, mitten in der anonymität der werktätigen masse. Als würde einem unverhofft und zur falschen jahreszeit der weihnachtsmann ein geschenk überbringen. Der andere drehte sich von ihm weg und war schnell in der strömung untergetaucht. Dee steckte das päckchen in die tasche seines jackets und setzte sich selbst wieder in bewegung. Heute nudeln to go. Auf dem schnellsten weg nach hause, um das geschenk aufzumachen.

Sie sehen sich in einem bahnhof, ziemlich modern, klare flächen, die über und über mit nach aufmerksamkeit schreienden werbebannern besetzt sind. Leuchtend und bunt – aufdringlich. Genauso die kleidung der passanten, ihre haut. Thomas hawk bewegt sich hier mit einem kostenlosen skin der regierung, keine notwendigkeit für gesteigerte ästhetik. Er hat die wahl zwischen zwei männern, entscheidet sich und geht los.

Die nudeln kühlten langsam ab, während dee sich innerlich darauf vorbereitete, das päckchen zu öffnen. Die unbeschriftete papierhülle machte es so unauffällig, dass er es für die remittende eines werksverpackten stücks seife hätte halten können. ein griff zu den nudeln, zu den holzstäbchen. Aufregung die zu sprunghaftem ein und aus von hungergefühl führte. Das gefühl, vom eigenen über-ich beobachtet zu werden. Ein graues päckchen auf einem einfachen esstisch aus holz, neben einer wenig appetitanregenden packung nudeln, in einem wenig einladenden graubraunen zimmer und der rest vor regen ergrauten tageslichts. Dee öffnete den papierumschlag und nahm das kleine gerät aus schwarzem kunststoff in die hand. Weder ein zertifikat, noch die übliche packungsbeilage in der kleinen schachtel. Das schrie nach etwas, das auf keinen fall legal sein konnte. Auf dem gehäuse nur eine einfache prägung, die abkürzung VIR – und ein kleiner roter knopf. Wenn er darauf drückte würde sich alles ändern. Aber zuerst die nudeln.

Thomas hawk hat sein ziel aus den augen verloren. Der einzige mensch hier, dessen haut und kleidung keine werbung trägt sollte nicht schwer zu verfolgen sein, aber nachdem er zwei mal um eine ecke gebogen ist, mitten durch den menschenstrom gestochen, wie ein kayak durch ozeanwellen, ist er nicht mehr zu sehen. Hawk hat den verdacht, dass der mann nicht wirklich verschwunden ist, sondern einen schleier benutzt. ein spyfeat, das natürlich absolut illegal ist. Die auswertung der trackeraufzeichnungen wird hawk jemand anderem überlassen, er hat den kunden identifiziert und damit eine weitere spur, die er jetzt aufnehmen kann.

Der rote knopf, ein klick, ein summen im infraschallbereich. Andere kleidung, ein anderes zimmer, gefüllt mit gegenständen, die anders aussahen und anders zu bedienen waren. Andere gerüche, andere farben, ein anderes zeitgefühl. Eine ureigenste welt. Blicke aus dem fenster überzeugten dee sofort, dass das hier genau seinen vorstellungen entsprach. Die straßen und die menschen so dreckig wie sie es sein sollten. Eine ganz andere stadt. Das war nicht irgendein standardsteampunkkit sondern galvanisierte renaissance. Ein meister von der art eines da vinci überzog jede oberfläche mit seiner kunst. Er musste raus. In die straßen. Dee verließ seine wohnung, eilte die knarzenden treppen hinab, öffnete die hohe, eisenbeschlagene tür, trat auf das kopfsteinpflaster. Vor ihm eine kutsche, die von vier schwarz und silbern glänzenden, mechanischen pferden gezogen an ihm vorbeizog. Der geruch von aktiven chemikalien und metal in der luft. Funken, die von den hufen auf dem pflaster aufstoben. Leute in strumpfartigen hosen, spitzen schuhen, gepufften und geschlitzten ärmeln, manche mit langen und sehr schmalen schwertern mit aufwendigen körben an der hüfte. Frauen in langen, dunklen kleidern. Blechern schnarrende koptergeräusche aus der luft über den dächern. Das verblüffendste für hua dee war daran, dass, so anders auch alles erschien, nichts von fremdartigkeit darin lag, im gegenteil: die neue stadt war wie aus dees unbewussten, tieferen verlangen herausgeschnitten und über seine welt gelegt. Eine vollkommene veräußerung seiner innerlichkeit, eine vollkommen individualisierte realität. Sich darin zu bewegen erschien ihm das natürlichste, was ihm in seinem ganzen leben widerfahren wahr. Heimkehr nach langem irren durch die fremde. In keinem der skins, die er bis jetzt benutzt hatte, war ihm so zu mute gewesen. Zugehörigkeit. Eine gruppenidentität, teil einer szene sein. Für hua dee hatte das einmal einen reiz gehabt, wie für die meisten jungen leute, aber mit den jahren war dieser reiz geschwunden, hatte sich nie so richtig für ihn ausgezahlt, nicht gehalten, was er versprach. Er hatte geld mit programmieren verdient, aber nie eine lizenz für basecodes erhalten. Ein individuelles skin auf legalem weg zu kaufen war nicht im bereich seiner finanziellen möglichkeiten, aber eine VIR konnte man auch auf anderen wegen bekommen. Zutiefst illegalen wegen. Wirklicher reichtum, jenseits von hohem vermögen, reichtum an macht ließ die möglichkeit zu, sich effektiv aus der geteilten wirklichkeit zurückzuziehen, die notwendigkeit real sozial zu interagieren auf ein minimum zu reduzieren. Ohne diesen rückhalt wurde das, was dee anstrebte und gerade in die tat umsetzte allerdings äußerst kritisch. In der hereinbrechenden nacht, auf einer altertümlich anmutenden und doch hoch technisierten straße, in einer auf keiner lizensierten karte verzeichneten stadt überkam dee das unheil der paranoia. Zeit, sich eine waffe zuzulegen und in dem neuen kosmos aktiv zu werden. Stattdessen suchte dee ein gasthaus auf und ließ sich zuerst einmal einen scharfen brandwein einschenken. Alles ziemlich rustikal, dunkel bei kerzenschein und lampenlicht und schmutzig, wie aus einem piratenfilm. Eine frau, die hua sofort ins auge fiel. Rothaarig, jung, mit schönen kurven. Mieder, stiefel, rock, dolch an der seite. Sie schaute zu ihm herüber, bewegte sich kurze zeit später auf ihn zu und lächelte ihm ins gesicht. Sie kamen sofort ins gespräch, darüber, dass er hier neu und ihr aufgefallen war. Eine aufgeweckte junge frau. Dee begann sich langsam zu entspannen. Ihr name war yuna trope, etwas exotisch, genau wie ihre art zu reden, sich zu bewegen. Sie würde ihm die stadt zeigen, ihn ein paar leuten vorstellen. Zahlenschieber wie er fänden immer etwas, was geld einbrachte. Dee war seiner traumfrau begegnet.

die äußere finsternis

wir setzen sie nur ungerne der tieferliegenden realität aus, aber für ihr verständnis dessen was bald kommen wird, ist es leider unerlässlich, den schleier zu lüften, ihnen den glamour zu offenbaren, der über allem liegt und ihn aufzulösen. In wahrheit besitzt die welt keine ästhetischen oberflächen. Alles und jedes ist rein funktional, rechteckige architekturen, auf das wesentliche beschränkt, farben existieren nicht, alles ist grau. Die äußere schale des erlebens ist finster, weil kaum jemand sie sieht. Sparsam, pragmatisch. Kleidung aus papier, haarlose menschen, betonflächen. Vor diesem hintergrund erscheint das standardskin mit seinen schreienden farben und tausendfältigen logos extrem andersartig, das krasse gegenteil. Aber vielleicht doch nur auf den ersten blick.

Thomas hawk. Ein mann der das nötige tut. Hinter einer tageszeitung verborgen, an einem tisch des gasthauses, mit einem blick durch den schankraum auf dee und yuna trope, die an der theke ihre köpfe ineinander tauchen. Manchmal kann es von vorteil sein, die welt durch die augen dessen zu sehen, den man observiert. Gerade dann, wenn es sich wie hier verhält und das was man zu sehen bekommt so exklusiv ist, wie das skin, dass sich dee geleistet hat. Er hat sich in etwas zurückgezogen, das von dem mainstream soweit entfernt ist, dass kaum rückwirkungen auf die üblicheren pfade seiner mitmenschen zu erwarten sind. Hat hinter sich einen vorhang zugezogen und sich in seinem separee eingeschlossen, wie in einem schützenden kokon. Eine tageszeitung, aufblühendes massenmedium. Etwas was heute keine echte relevanz mehr besitzt. Die gemeinschaftsbildende macht von massenmedien ist längst transzendiert worden. Individualisierte medien, persönliche auswahl von information, nach eigeninteressen gefilterte teilnahme am wissenschatz hat abgelöst, was in der vergangenheit für alle das gleiche war. Einerseits exklusiv, andererseits doch von der stange, so individuell, wie konfektionsgrößen und nach geschmacksrichtungen sortierte modekollektionen. Eine tageszeitung wie die, die hawk in der hand hält ist anachronismus und absurd. Der inhalt ist natürlich beliebig und für hawk völlig irrelevant. Hawk ist nur teil einer szenerie. Aber der verstand hinter seinen augen ist mehr. Die zielperson verlässt den laden, zusammen mit anhang oder vielmehr im gefolge seines neuen zugpferdes. Hawk legt die zeitung zuammen und auf den tisch, wechselt in die nackte ansicht der wirklichkeit, ohne glänzende oberflächen und folgt dee auf die straße hinaus.

Hua dee kannte leute, die im gefängnis gewesen waren. Woher spielt keine rolle. Alles in allem leichtere vergehen, die mit leichtem vollzug geahndet wurden. Volle breitseite an werbung auf jeder noch so kleinen oberfläche. Monate in haft, die jahre an werbezeit unter normaleren umständen aufwiegen. Allein einer seiner entfernteren bekannten hatte für etwas gesessen, das schweren vollzug nach sich gezogen hatte. Völliges fehlen von farbe und ästhetischer form, jahre einer das herz verzehrenden deprivation der sinne. Dieser bekannte vegetierte heute, nach vorzeitiger entlassung, in völliger vereinsamung und hoffnungslosigkeit. Dee musste an ihn denken, während er yuna trope durch die straßen folgte und den kitzel des verbotenen in sich zu genießen begann. Auf abwegen. Dämmerlicht. Unterwelt. Rebellion. Und jede menge spaß.

Mehrere tage observation bringen nichts nennenswertes hervor. Dee war einfach abgetaucht, in sein vergnügen, prickelnde sorglosigkeit. Soweit hawk es beurteilen kann, gibt es keinen weiteren kontakt zu dem mann, der ihm das päckchen übergeben hat oder zu der organisation, die hinter dem mann stehen mag. Hawk muss näher heran und höheres risiko eingehen.

Worte aus Grau

es tut uns sehr leid, dass wir so gewichtige worte wie realität, wahheit, wirklichkeit und welt so scheinbar wahllos gebrauchen, was aber durch unseren eindruck motiviert ist, dass all diese begriffe vor dem gewählten hintergund in eins gehen und keine genauere unterscheidung mehr zulassen.

Maria kron und Stinger ray haben ebenfalls ein oder zwei augen auf hua dee geworfen, der sich in seinem neuen glück einfindet, wie ein lange hospitalisiertes tier in einem genau auf seine bedürfnisse angepassten neuen gehege. Auch thomas hawk entgeht ihrer aufmerksamkeit nicht und als sich dieser schatten aus den schatten der umgebung herauslöst um die distanz zu seiner beute zu verringern, wohl um sich in die optimale ausgangsstellung für seinen letzten, eben diese beute zu fall bringenden sprung zu begeben, veranlassen sie das nötige.

An diesem abend führte yuna dee in einen club unter der erde ein. Brechendes techno, schweiß und ekstatischer tanz einer zur masse geronnenen jugend. Dee war bereit sich darin zu verlieren. Galvanische anlagen, die sound produzierten, wie er aus kanonengießereien und schiffswerften hätte stammen können, untermalt von zischen und saugen und schnarren. Unverhoffter sex in einem dunklen bogengang. Dann öffnete sich eine tür, yuna schob ihn hindurch und dee sah sich einem mann und einer frau gegenüber, die er nicht kannte, die ihn aber so anschauten, als ob sie auf ihn gewartet hatten. Yunas hand auf seiner schulter schob ihn sanft vorwärts. Die frau, an die vierzig, mit dunklem, ärmellosem shirt über ausgewaschener jeans und stiefeln, undercut auf der linken seite und ansonsten langen, ausgebleichten haaren, grüne augen, die ihn fest in ihrem griff hielten, der mann zu ihrer seite auf einem stuhl, sneakers, dunkle jeans und kapuzenpulli, auf den zweiten blick erkannte dee ihn doch, der mann vom bahnsteig, ihn ebenso mit ruhiger aufmerksamkeit im blick. Dee bemerkte mit etwas von verärgerung, auf jeden fall mit besorgnis, dass beide sein skin ignorierten, ihr dresscode ließ sie genauso unabhängig und irgendwie fehl am platz erscheinen, wie den mann am bahnhof. Der raum in dem sie sich befanden folgte ihrem beispiel, wie ein raum hinter der bühne eines theaters.

Maria kron: „haben sie mal darüber nachgedacht, wie eine welt aussähe in der wir unsere persönlichkeits- und menschenrechte einfach aufgeben könnten, sie einfach verkaufen und gegen irgendwelchen kram eintauschen, den wir eigentlich nicht brauchen?“

nicht dass sich dee darüber je gedanken gemacht hätte. Nachdem alle skins, die er bisher getragen hatte, damit einhergegangen waren, dass seine persönlichen und menschenrechte auf ein minimum reduziert waren, dass ihn nur gerade noch so als frei erscheinen ließ, hatte dieses neue skin, weil illegal, den vorteil, ihn mit einer fülle von rechten auszustatten, die sich eigentlich niemand leisten konnte, der nicht mit übermenschlicher macht gesegnet war. Dee konnte praktisch alles tun, konnte überall hingehen, und alles ohne werbung betrachten. Dessen war er sich schon bewusst, aber den umkehrschlus hatte er bisher noch nicht gebildet. Dee zuckte darum nur mit den achseln und schob die handflächen nach vorne. Die unausgesprochene frage, „was geht das mich an?“, ins gesicht geschrieben.

Maria kron: „haben sie mal darüber nachgedacht, wie unwahrscheinlich es ist, dass sie sich ein neues skin wie ihres zulegen, einmal im leben abends aus dem haus gehen und sofort ihrer traumfrau begegnen?“

Darüber hatte dee allerdings schon nachgedacht, aber nicht soviel, dass der zweifel an seinem glück ihn hätte erobern können. Wenn es ein traum war, warum dann unbedingt aufwachen wollen?

Maria kron: „haben sie mal darüber nachgedacht, wie schwierig es ist, miteinander zu interagieren, wenn jeder mensch in seiner eigenen realität unterwegs ist? Oder wer von den menschen, die sie umgeben überhaupt ein mensch ist und wer nur teil ihres skins?“

dee fand diese frage ausgesprochen unschön, verunsichernd und nachgerade unanständig.

Maria kron: „haben sie mal darüber nachgedacht, wie lange ihr glück anhalten kann, wie lange es dauert, bis ihnen all ihr illegal angeeigneter luxus wieder weggenommen wird? Wie lange es dauert, bis sie mit der übermächtigen realität der behörden konfrontiert werden?“

dee öffnete den mund um etwas zu sagen.

Maria kron: “wir haben ihnen einen vorzugspreis gemacht und sie haben sich wie ein guter käufer verhalten und nicht daran gedacht, dass die sache vielleicht einen haken haben könnte. Warum auch, was man mit geld bezahlt, muss seine richtigkeit haben, nicht wahr? Hätten sie ihr skin selbstgemacht wären sie eher darauf vorbereitet gewesen, dass etwas schief gehen könnte, sie hätten das gefühl, etwas verbotenes zu tun nicht so einfach besänftigen können, weil alles was man selbst tut, der eigenen verantwortung untersteht und nicht der irgendeines herstellers.“

inzwischen hätte dee wirklich gerne etwas gesagt, aber zum einen wusste er nicht, was er hätte sagen wollen, zum andern hielt yuna ihn um die schultern so, als ob sie zum einen ihm halt geben, ihn aber zum andern auch daran hindern wollte, wie ein springteufel plötzlich aufzustehen und fluchtartig den raum zu verlassen. Noch dazu behielt ihn der mann vor ihm fest im auge und obwohl er keineswegs grimmig drein sah, fühlte sich dee doch davon eingeschüchtert.

Maria kron: „sie können ihre verantwortung nicht einfach ablehnen, wir haben aber auch kein interesse daran, ihnen zu schaden. Jemand anderes schon. Der mann hat gerade die tür zu diesem raum im visier und versucht abhörinformationen darüber zu bekommen, was hier drinnen vorgeht. Womit er keinen erfolg hat, weil dieser raum in mancher hinsicht nicht wirklich existiert. In den nächsten paar sekunden wird er seine verwirrung damit umgehen, dass er die tür öffnet und mit vorgehaltener waffe hereinstürmt.“

yuna hielt ihn jetzt so fest umschlungen, dass dee dem impuls zur flucht nicht nachgeben konnte, stattdessen fühlte er sich wie ein stück wild im licht eines scheinwerfers gebannt.

Thomas hawk findet sein zielobjekt alleine in einem halbdunklen raum, mit dem rücken zu ihm, wie erstarrt. Drei schritte in den raum, der ausgestreckten waffe folgend. Die tür schlägt hinter ihm zu. Ein heftiger stoß von unten gegen seine hände reißt die waffe hoch, bevor sich der schuss aus ihr löst und sie ihm aus den händen gleitet.

Als die tür aufgeht, sitzt stinger ray bereits nicht mehr auf dem stuhl, ist seitlich an dee vorbei und versetzt dem eindringling zwei schläge. Der zweite setzt ihn außer gefecht und streckt ihn zu boden. Maria kron schaut von ihrem stuhl aus zu, wie stinger sich mit einem kleinen scanner in der hand über den mann beugt um ganz bestimmte codes auszulesen.

Maria kron: „so, das war’s schon. Wir haben was wir wollten. Sie können jetzt weitermachen. Viel spaß noch mit ihrer traumfrau. Ach, und wenn ihr update fertig ist, erhalten sie es wieder per kurier.“

hua dee, immer noch von yuna trope umschlungen, die ihn jetzt sanft aus dem raum und zurück zu der party führt, hat noch immer kein wort über die lippen gebracht. Er fühlt sich wie vom donner gerührt, besorgt sich als erstes etwas zu trinken. Yuna trope? Dee denkt sich, dass er es mit seiner traumfrau immer noch besser getroffen hat als die meisten.

Stinger ray und maria kron können jetzt mit der nächsten nächsten phase ihres plans fortfahren. Neue codes, direkt aus dem kopf von thomas hawk, der weit umfassendere befugnisse hat, als irgendein skin auf dem markt. Die nächste generation glamour wird ganz bestimmt revolutionär.

Und thomas hawk? Ob er wirklich ein mensch ist, oder nur ein programm, das ist eine frage, die vielleicht zu philosophisch ist um abschließend beantwortet zu werden. Jedenfalls ist ihm nichts schlimmeres geschehen, als dass ihm ein teil seines innersten geraubt wurde und das geschieht doch schließlich jedem von uns an jedem neuen tag.

Und der rest der welt und der menschen? Der macht gewiss genauso weiter, wie bisher.

(c) venom&claw

Veröffentlicht von

Tobias Reckermann

Schriftsteller Mitarbeiter bei Whitetrain